Chirurgie im 18. Jahrhundert
Der Begriff „Chirurgie“ ist zusammengesetzt aus den griechischen Wörtern xeir und ergov und bedeutet in etymologischem Sinn die Lehre vom Heilen durch den alleinigen Gebrauch der Hände, somit war der Chirurg einem Handwerker gleichgesetzt. Daraus ergab sich für ihn der Nachteil, dass die Ärzte ihn von den Lehren der Wissenschaft ausschlossen und ihn sich als Handarbeiter unterordneten. Er wurde ein Handlanger ohne eigene Entscheidungsgewalt. Nachdem sich die Chirurgen im 13. bis 15. Jahrhundert langsam von den Barbieren distanziert und im 16. Jahrhundert angefangen hatten, ihre Gilden in den Rang einer Gelehrtenschaft zu erheben, gelang es ihnen Ende des 17. Jahrhunderts sich zu einer Bruderschaft zusammenzuschließen – gegen den Willen der Ärzte. Vorreiter auf dem Gebiet war Frankreich.

Augenheilkunde im 18. Jahrhundert
Ab dem18. Jahrhundert wurde die Augenheilkunde, die vorher Domäne der Chirurgen gewesen war, als eigenes Unterrichtsfach gelehrt. Es gab umfassende Studien zur Anatomie des Auges, und es wurden vollständige Beschreibungen von Augenkrankheiten veröffentlicht. Darin fanden sich auch die ersten Abhandlungen über das chronische Glaukom. Zwei englische Ärzte (Taylor und Woolhouse) schätzten den Augendruck und erbrachten den Nachweis, dass ein Überdruck zur Zerstörung des Sehnervs führen konnte. Sie empfahlen zur Behandlung eine Punktion mittels eines Trokars, mit dem die überschüssige Flüssigkeit aus dem Auge geleitet werden konnte. Die Bedeutung des Augenüberdrucks geriet jedoch bald wieder in Vergessenheit, bis sie im 19. Jahrhundert wieder aufgegriffen wurde. 1745 wurde erstmals eine Linsenextraktion durchgeführt, und 1753 führte diese Art der Augenbehandlung zu einer Erfolgsquote von hundertachtzig geglückten Operationen von zweihundertsechs.

Geburtshilfe im 18. Jahrhundert
Im 18. Jahrhundert rückte die Geburtshilfe mehr und mehr ins Blickfeld von qualifizierten Chirurgen. Während sich die Chirurgie früher ausschließlich mit der erschwerten Geburt befasst und das Feld ansonsten den Hebammen überlassen hat, interessierten sich Chirurgen nun zunehmend für die Geburtshilfe und machten sie zum Gegenstand ihrer Forschung – sehr zum Missfallen der Ärzte, die zwar einerseits die Geburtshilfe als reine Hebammen-Domäne sahen und nur im äußersten Notfall hinzugezogen wurden, andererseits aber nicht bereit waren, den Chirurgen das Feld allein zu überlassen. Die im 18. Jahrhundert erfundene Geburtszange durfte zunächst nur von Ärzten benutzt werden. Während die Hebammen den Frauen meist die Geburt erleichterten, indem sie die Frau in der Stellung gebären ließen, die für sie am hilfreichsten war, bevorzugten Ärzte es, wenn Frauen Kinder im Bett zur Welt brachten, weil ihnen dadurch der Zugang erleichtert wurde. Es entstanden Pamphlete, die die Geburtshilfe durch männliche Chirurgen als unanständig darstellten.

Im 18. Jahrhundert wurden die ersten Entbindungshäuser und Lehranstalten für Hebammen und Geburtshelfer eingerichtet. Mitte des 18. Jahrhunderts leitete man in England erstmalig eine Geburt künstlich ein, der Kaiserschnitt konnte nach wie vor nur an toten Müttern praktiziert werden, um zu versuchen, wenigstens die Kinder noch zu retten. Die Universität Halle bot 1741 Kurse in Geburtshilfe an. Nach und nach drängten Chirurgen die Hebammen aus der Geburtshilfe. Diese waren zwar nach wie vor unentbehrlich, aber die Geburtshilfe wurde ab dem 18. Jahrhundert immer mehr zur Domäne der Chirurgen, die als fachlich besser ausgebildet galten. Erst seit dem 20. Jahrhundert ist die Entwicklung wieder rückläufig, und es hat sich die Ansicht durchgesetzt, dass eine normal verlaufende natürliche Geburt ohne Anästhetika kein Eingreifen von Ärzten zwingend benötige. Die Geburtshilfe wird nicht mehr als Teilgebiet der Chirurgie gesehen, sondern in die Hände von Hebammen gelegt.