Im 18. Jahrhundert erfuhr London einen immensen Wachstum, wuchs über seine historischen Grenzen hinaus und breitete sich nach Süden aus. Die reiche Bevölkerung war bereits Ende des siebzehnten Jahrhunderts aus der alten Innenstadt weg und in das aufstrebende West End gezogen. Im Gegenzug entwickelten sich Ballungszentren für die ärmere Bevölkerung, die sich wie ein Gürtel um die Stadt zogen: St. Giles‘, Clerkenwell, Spitalfields und in östliche Richtung nach Bethnal Green, Whitechapel und Wapping. Es wurden neue Brücken über die Themse gebaut, und in dem Maße, wie die Reichen aus den alten Häusern und den engen Gassen hinaus strebten, strebten die Armen hinein.

In dieser Epoche wuchs das British Empire zu seiner Blütezeit heran, Händler und Schiffseigner erwirtschafteten ein Vermögen im Überseehandel mit den Kolonien in Nordamerika, Westindien, Indien und Afrika. Ein nicht geringer Teil dieses Reichtums floss in die Londoner Architektur und die Stadtentwicklung. Die Grundbesitzer brachten es zu wachsendem Wohlstand, und durch den Aufschwung des Handels wuchs ein neuer Mittelstand heran, der sich zum Großteil aus Händlern und Fabrikanten zusammensetzte. Englands Siege im Siebenjährigen Krieg festigten seinen Rolle im Weltgeschehen. Es war das Zeitalter der Industriellen Revolution, und London machte sich auf, seinen Platz im Zentrum eines weltumspannenden Imperiums einzunehmen. Händler aus den unterschiedlichsten Ländern ließen sich in London nieder, aber auch Immigranten, so dass es zu einem sprunghaften Anstieg der Bevölkerung kam.

Während das West End florierte und die reiche Bevölkerung sowie der Mittelstand von dem Aufstieg Londons in hohem Maße profitierten, drängten sich in den Armutsvierteln Familien in  kleinen Räumen zusammen, und oftmals wurde ein Raum gleich an mehrere Familien vermietet. Die Häuser waren alt und boten kaum Schutz vor der Witterung, waren im Winter eisigkalt, und im Sommer staute sich die Hitze. Die Kindersterblichkeit war hoch, und durch die Enge, in der die Menschen gedrängt zusammenlebten, lösten Krankheiten wie Typhus und Cholera stets Epidemien aus. Immer wieder wüteten die Pocken und forderten viele Todesopfer. Erst Ende des 18. Jahrhunderts war diese Krankheit in den Griff zu bekommen.

Das 18. Jahrhundert war ebenfalls geprägt durch einen rasanten Anstieg der Kriminalität. 1750 etablierten sich die Bow Street Runners als offizielle Polizeikräfte. Die Todesstrafe konnte auch bei geringfügigen Verbrechen verhängt werden, und öffentliche Hinrichtungen waren populär.

Ebenfalls neu war im 18. Jahrhundert die Eröffnung sogenannter Coffeehouses, die ein gänzlich neues System von Gastlichkeit, verbunden mit einem aufklärerischen Nutzen propagierten. Durch sie wurde die Möglichkeit gelehrter Diskurse einer breiten Bevölkerungsschicht zugänglich. Hier konnten neuen Ideen debattiert werden, und es wurde der Austausch von Nachrichten und Literatur ermöglicht.

Es war das Zeitalter großer Veränderungen. England hatte die Kolonien in Amerika verloren, sich jedoch die Herrschaft in Indien gesichert und auch die strategisch günstige Festung Gibraltar behalten. Die Weichen für die Blütezeit im 19. Jahrhundert waren gestellt.