Ursprünglich ein Fischerdorf mit dem Namen Kalikata („Schwarzes Tor“ oder „Tor der Kali“) gehört Kalkutta heute zu den größten Städten der Welt. Kalkutta war im 17. Jahrhundert kaum mehr als ein auf einer Sandbank am Hugli gelegenes Dorf, hatte aber die besten Voraussetzungen, der Schlüssel zum Ganges-Becken zu werden, dem reichsten und fruchtbarsten Gebiet ganz Indiens. 1690 pachtete der Brite Job Charnock vom Mogulherrscher Aurangzeb drei sumpfige Dörfer. Die englische East India Company begann 1896 mit dem Bau von Fort William (benannt nach William III., dem König von England und Schottland), das 1716 fertiggestellt wurde. Außerdem erlaubte ihnen Aurangzeb, dass sie in drei umliegenden Dörfern die Steuern eintreiben durften.

Bengalen wurde für die East India Company das wirtschaftlich wichtigste Gebiet Indiens. Gleichzeitig war Kalkutta die am wenigsten gesicherte Niederlassung, und man erhoffte sich von weiteren Abkommen mit dem Mogulherrscher eine Verbesserung der Lage. 1717 wurde eine neue Abmachung getroffen, in der die Angehörigen der Kompanie von allen indischen Zöllen und Steuern befreit wurden, wenn sie dem Mogulherrscher jährlich eine Zahlung von 3.000 Rupien leisteten.

Nach Ausbruch des Siebenjährigen Kriegs (1756-1763) sah der Nabob von Bengalen, Siraj-ud-Daula, inmitten der Wirren der europäischen Mächte die Chance, Bengalen wieder unter seine Kontrolle zu bekommen. 1756 griff er Fort William an, besetzte die Niederlassung Kalkutta, und es kam zum berüchtigten Black Hole. Robert Clive, der aus Madras herbeigerufen wurde, verbündete sich mit den Gegnern des Nabobs und besiegte ihn 1757 in der Schlacht von Plassey. Nach dem legendären Sieg, den er erlang, setzte England einen Marionetten-Herrscher ein. 1772 löste Kalkutta Madras als Hauptsitz der East India Company ab, das reiche und fruchtbare Hinterland wurde zur Grundlage des immensen Reichtums der Kompanie. 1781 wurde Fort William in seiner neuen noch heute existierenden Form fertig gestellt und musste nie wieder verteidigt werden.

Im 19. Jahrhundert nannte man Kalkutta die „Stadt der Paläste“, die bedeutendste Kolonialstadt des Orients mit stuckverzierten weißen Herrenhäusern und all der Pracht, die das in seinem goldenen Zeitalter stehende England mit sich ins Land brachte. Der sogenannten „Weißen Stadt“ stand die „Schwarze Stadt“ der Einheimischen in krassem Gegensatz gegenüber, mit ihren Slums, den unhygienischen Verhältnissen, dem Elend und der immensen Armut.

Im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde in Kalkutta unter seiner gebildeten und wohlhabenden bengalischen Elite eine Zeit eingeläutet, die seit 1880 unter dem Begriff „Bengalische Renaissance“ bekannt wurde, eine Schwelle zur Moderne, die mit einem kulturellen, sozialen, politischen und intellektuellen Wandel einherging. Es gab einen Aufschwung bengalischer Sprache und Literatur.

1911 wurde Delhi zur Hauptstadt Britisch-Indiens, und somit nahm auch allmählich die Bedeutung Kalkuttas im Gefüge des Empire ab.