Der Khaiberpass erstreckt sich über 53 km und führt durch den Hindukusch, ein Gebirge in Zentralasien, das größtenteils in Afghanistan liegt und teils in Pakistan. Er stellte eine der wichtigsten Verbindungen zwischen Peschawar, das im 19. Jh. noch Teil Indiens war, und Kabul, das zu eben jener Zeit von Russen und Engländern umkämpft war, dar. Am engsten Punkt hat er nur eine Breite von drei Metern und führt im Norden hoch in die schneebedeckten Höhen des Hindukusch. Er zählt zu den beeindruckendsten Bergpässen der Welt und hat eine lange und oftmals von Gewalt geprägte Geschichte. Schon im Altertum stellte der Pass die wichtigste Verbindung der indischen Tiefebene dar. Verfeindete Armeen haben ihn als Ausgangspunkt für ihre Invasionen genutzt, Händler ihn als Handelsroute geschätzt. Zwar hat der Pass im 16. Jahrhundert allmählich an Bedeutung verloren, aber im 19. Jh. geriet er in die Hände der Engländer, die sich seiner strategisch günstigen Lage durchaus bewusst waren und diese für ihre eigenen Zwecke zu nutzen versuchten.

Bereits Alexander der Große marschierte mit seiner Armee durch den Khaiberpass, um die indische Ebene zu erreichen. Ab dem Jahr 900 nutzten die Armeen der Perser, Mongolen und Tartaren den Pass und brachten auf diesem Weg den Islam nach Indien. Als mehrere Jahrhunderte später Indien Teil des britischen Kolonialreichs wurde, verteidigten die Briten den Khaiberpass von indischer Seite aus. Während der Afghanistan-Kriege wurde er Schauplatz für die Auseinandersetzungen zwischen anglo-indischen Soldaten und Afghanen. Bekannt wurde insbesondere das Ereignis im Januar 1842, als infolge des ersten afghanischen Kriegs ein Heer von 16.000 britischen und indischen Soldaten im Khaiberpass vollständig vernichtet wurde. 1879 entwarfen die Briten eine Straße, die durch den Pass führte und im Jahr 1920 ausgebaut wurde. 1920 begann man ebenfalls damit, eine Bahnlinie zu erschließen, die in Pakistan ihren Ausgang nahm und dazu dienen sollte, britische Truppen möglichst schnell nach Afghanistan zu bringen.

Der Khaiberpass hat zahllose Invasionen gesehen. Er wurde Zeuge der siegreichen Märsche persischer und griechischer Armeen. Durch ihn marschierten die Türken, Skythen, Tartaren, Mongolen, Sassaniden und Seldschuken. Große Eroberer wie Timur, Nadir Shah und Babur machten ihn sich zunutze. Die Engländer fürchteten, dass die Russen den Khaiberpass nutzen würden, um ihnen ihr Juwel des Empire streitig zu machen: Indien. Über Hunderte von Jahren wurde Handel auf dieser Strecke getrieben, gab es Karawanen, die den Pass durchquerten und edle Güter mit sich führten wie Seide oder feinstes Porzellan, Waren aus dem mittleren Osten und aus China.