Es heißt, dass außer Wasser nichts so häufig getrunken wird wie Tee. Die Wiege des Tees soll ihren Platz in China haben, wo laut der Legende Kaiser Chen Nung vor über viertausend Jahren ein Blatt von einem wildwachsenden Teestrauch in seine Trinkschale mit heißem Wasser gefallen sein soll. Während sich in China eine Teekultur entwickelte, die mit dem Streben nach Perfektionismus bei Zubereitung und Teezeremonien einherging, war Tee in Europa erst relativ spät gefragt.

Im siebzehnten und achtzehnten Jahrundert gab es in England eine Art Teerevolution. Zunächst wurde Tee in London des siebzehnten Jahrhunderts von Ärzten als Heilmittel angewendet und erfreute sich in den Kaffeehäusern großer Beliebtheit. 1657 fand der erste öffentliche Teeverkauf in England statt unter der Leitung des Händlers Thomas Garraway, des Gründers des einstmals größten Londoner Teehauses, Garraway’s, das bis 1866 existierte. Im ersten Stock eben jenes Hauses fand die Auktion statt. Besonders den Frauen gefiel es, sich in Salons zurückzuziehen und Tee zu trinken. In den fünfziger Jahren hielt der Tee auch Einzug bei Hofe. Es kam immer mehr in Mode, sich mit Teeproben und Teegerätschaften zu beschenken.

Durch seine Beliebtheit in den Kaffeehäusern, erreichte der Tee auch die unteren Gesellschaftsschichten. Diese Häuser wurden im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert die Zentren des geselligen Lebens. Im Jahr 1706 eröffnete der Teehändler Thomas Twinning das erste Kaffeehaus, das sich auf den Ausschank von Tee spezialisierte. Elf Jahre später eröffnete er einen Laden, in dem die Damen, die in Kaffeehäusern nicht zugelassen waren, Tee kaufen und auch trinken konnten. Der Teekonsum stieg im Laufe des achtzehnten Jahrhunderts beträchtlich an, und so wurden Mitte des achtzehnten Jahrhunderts in London die ersten Tea Gardens eröffnet, Einrichtungen, die Vergnügungsparks ähnelten, und in denen sich die Menschen aller Schichten einfanden.

1840 erfand die Ehefrau des 7. Duke of Bedford den „afternoon tea“, den sie nachmittags um fünf servieren ließ mit hauchdünnen Teebroten und süßem Gebäck. Als sich dieser Brauch langsam unter den wohlhabenden Schichten verbreitete, läutete er das Ende der Tea Gardens ein. Bis heute ist der „Five o’Clock Tea“ Inbegriff englischer Teetradition.

Lange Zeit lag das Teehandelsmonopol in den Händen der East India Company, so dass bei der Teeverschiffung keine große Eile geboten war. 1834 wurde das Monopol jedoch von England aufgehoben, und auf einmal tauchte eine Fülle von Konkurrenten auf, die ebenfalls danach strebten, ihren Tee auf den Märkten zu verkaufen, und nun wurde der Zeitaspekt von immenser Bedeutung. Tee wurde auf sogenannten Tee-Klippern verschifft, schlanke, schnelle Schiffe, die wesentlich zügiger die Strecken zurücklegten als die alten schwerfälligen Schiffe, mit denen die Händler ursprünglich zwischen Kanton und London unterwegs gewesen waren. Die Zeit der Klipper fand ihr Ende mit Eröffnung des Suezkanals 1869 und der Dampfschiffahrt.