Die Tamilen stellen den zweitgrößten Anteil an der Bevölkerung. Sie unterscheiden sich nicht nur in ihrer Kultur, sondern auch in ihrer Physiognomie von den Singhalesen und eher klein und wesentlich dunkelhäutiger. Sie gehören zu den dravidischen Völkern und sind zumeist Nachfahren von Auswanderern, die aus Birma, Singapur, Afrika und Malaysia stammen, die sich in Indien und Sri Lanka niedergelassen haben. Wann die Vorfahren der Tamilen nach Sri Lanka eingewandert sind, ist unklar und bis heute Gegenstand vieler ideologisch und nationalistisch gefärbter Debatten. Während singhalesische Historiker darauf beharren, dass die Singhalesen die Ureinwohner der Insel sind und es bis ins 10. Jahrhundert hinein keinerlei tamilische Herrschaftsstrukturen gab, behaupten die Tamilen, es habe bereits in vorchristlicher Zeit tamilische Königreiche auf Sri Lanka gegeben. Nachweisbar ist indes keine der beiden Behauptungen. Bei den auf Sri Lanka lebenden Tamilen wird zudem noch unterschieden zwischen den „Ceylon Tamils“, die sich als Urbewohner Sri Lankas sehen, und den „Indian Tamils“, die von den Briten für die Plantagenarbeit ins Land geholt wurden, diese gelten auch heute noch als Ausländer.

In vorchristlicher Zeit wurde die Präsenz der ehemals südindischen Einwanderer erstmals nachgewiesen. Es folgten eine Reihe von Invasionen, aber es kam während einer sehr kurzen Zeitspanne (10. und 11. Jahrhundert) zur einzigen geschichtlich belegten Machtergreifung durch die Tamilen, infolge derer diese beinahe die gesamte Insel unterwarfen. Unter den beiden Chola-Königen etablierte sich der Hinduismus endgültig auf Ceylon. Fortan lebten die Nachkommen der Ceylon-Tamilen überwiegend im Norden und Osten der Insel, wo auch ihr Königreich gewesen war, während die Indien-Tamilen sich vorwiegend im Hochland angesiedelt hatten, wohin sie während der Kolonialzeit angeworben worden waren.  Tamilen sind größtenteils Anhänger des Hinduismus, ein kleiner Anteil von ihnen ist christlichen Glaubens. Die Sprache der Ceylon-Tamilen weist deutliche Unterschiede auf zum Dialekt der Indien-Tamilen und dem der Moors. Zur Zeit der Kaffeeplantagen war ein großer Teil der Indien-Tamilen nur während der Erntezeit auf Ceylon und kehrte danach wieder zurück in sein seine Heimat. Dies änderte sich erst, als die Engländer begannen, Tee anzubauen und die Arbeiter ganzjährig brauchten. Auf ihren Plantagen entstanden ganze Tamilen-Siedlungen. Die Hochland-Tamilen, deren Frauen auch heute noch als Teepflückerinnen arbeiten, sind isoliert von den Tamilen des Nordens und werden immer noch teilweise “Plantagen-Tamilen” genannt. Heute erhalten sie für ihre Arbeit im Durchschnitt einen Euro pro Tag.

Die Tamilen verehren Shiva und seinen Sohn Skanda, ebenso Vishnu und Kali, zu deren Ehren sie alljährlich große Feste feiern. Das bestimmende Gefüge ist das Kastensystem, das sich jedoch von dem der in Indien lebenden Hindus unterscheidet. Es gibt auf Sri Lanka folgende Kasten:

Vellala – Landbesitzer
Brahmane – Priester
Chettiya – Händler
Karaiya – Fischer
Palla/Nalava – Arbeiter
Paraiyar – Kastenlose

Die Engländer bevorzugten die Tamilen gegenüber den Singhalesen, auch in Bezug auf das Vermitteln von Bildung, was die Singhalesen als soziale Ungerechtigkeit wahrnahmen, die sie nach Erklärung der Unabhängigkeit Sri Lankas 1948 nicht vergaßen. Die von einer singhalesischen Mehrheit gebildete Regierung diskriminierte die tamilische Bevölkerung, was in dieser wiederum den Wunsch nach einer Autonomie nährte und in den 80er Jahren zur Bildung der „Tamil Tigers“ (LTTE – Liberation Tigers of Tamil Eelam) führte. <i>Tamil Eelam</i> soll der unabhängige Tamilenstaat heißen, den die Tamilen im Norden anstreben. 1964 erhielt ein Teil der Tamilen die sri-lankische Staatsbürgerschaft, den Rest versuchte die Regierung mit sogenannte Repatriierungsprogrammen wieder nach Indien zurückzuschicken. Einige Hunderttausend Tamilen leben in allen Teilen der Welt als Flüchtlinge. Ein 2002 vereinbarter Waffenstillstand wurde 2006 beidseitig gebrochen und 2008 offiziell von der Regierung aufgekündigt. Zwischen die Fronten geraten vor allem die Moors, die, als die LTTE 1990 die Jaffna-Halbinsel unter ihre Kontrolle brachte, zu Zehntausenden vertrieben wurden. Weitere Übergriffe und Massaker folgten, ein Ende der Gewaltspirale ist nicht in Sicht.