Von den auf Ceylon lebenden Menschen stellten die Singhalesen schon damals die größte Gruppe. Sie sind die Nachkommen jener Menschen, die bereits in vorchristlicher Zeit aus Nordindien nach Ceylon einwanderten. Ihre buddhistische Herkunft zieht sich wie ein roter Faden von ihrer Zeit in Nordindien bis in die Gegenwart. Es sind uralte Traditionen, die dazu führten, dass die Singhalesen sich Ceylon auf spirituelle Weise verbunden fühlten. Zentral für ihr Selbstverständnis war die Annahme des Buddhismus, denn das setzte sie von den anderen Völkergruppen Indiens ab. Die kulturelle Identität beinhaltete, dass Singhalese sein hieß und auch heute noch heißt, Buddhist sein. Die dem Thervada-Buddhismus angehörenden Singhalesen sehen in Ceylon das Land Buddhas. Dennoch bricht ihr nordindisches Erbe immer wieder durch in Teilen ihrer Sprache und Kultur, so dass ihr Buddhismus von hinduistischen Elementen geprägt ist, und es gibt, was normalerweise unüblich ist, auch bei den buddhistischen Singhalesen ein Kastensystem, das sich im Rahmen des feudalen Systems entwickelt hat und jede Kaste einer bestimmten Tätigkeit zuordnet. Ihr Kastensystem hat folgende Einteilung:

Goyigama – Bauernkaste
Karava – Fischer
Salagama – Zimtschäler
Durava – Palmzapfer
Batgam – Landarbeiter
Kinnara – Arbeiter
Hena – Wäscher
Berava – Tempeltrommler
Vahumpura – Palmzucker-Macher
Acari – Kunsthandwerker
Rodi – Kastenlose

Die Singhalesen herrschten in einer unbegrochenen Abfolge von 167 Königen in ganz Ceylon, eine Herrschaft, die erst 1815 mit dem Sieg der Briten über den König von Kandy ein Ende fand. Das Verhältnis zwischen Mönchen, Herrschern und Dorfgemeinschaften blieb während der gesamten Zeit ausgewogen. Auch äußere Einflüsse haben die Kultur der Singhalesen bereichert, so entwickelten sie sich in der Zeit der Kolonialreiche keineswegs einheitlich, sondern es bildeten sich nach und nach zwei Gruppen heraus. Durch die Abgeschiedenheit des Königreichs von Kandy blieben die Singhalesen aus der Hochlandregion eher traditionell orientiert und hielten an konservativen Strukturen fest, während jene an den Küstenregionen, die in stärkerem Maß westlichen Einflüssen ausgesetzt waren, diese Lebensart teilweise übernommen haben.

Eheschließungen werden meist innerhalb derselben Kaste vorgenommen. Singhalesische Ehen wurden ursprünglich laut ihrer Tradition ohne Hochzeitsfeier geschlossen, jedoch hat sich auch das inzwischen geändert, und die meisten Singhalesen heiraten nun mit Zeremonie und Ehevertrag. Singhalesen sind überwiegend Bauern, daher macht diese Kaste den größten Teil aus. Seit der Unabhängigkeit befinden sich die Singhalesen in einem Dauerkonflikt mit den Tamilen, der in einem Bürgerkrieg gipfelte.