Um die Herkunft von Kaffee ranken sich nach wie vor Geheimnisse, und niemand weiß so recht, wann Kaffeepflanzen das erste Mal angebaut wurden und wie man überhaupt auf die Idee gekommen ist, den komplizierten Prozessen von Ernte, Entkernen, Trocknen, Rösten und Mahlen zu folgen, um letzten Endes das aromatische Getränk genießen zu können, das sich heute in jedem Supermarkt findet und durch die unzähligen Varianten von Kaffeemaschinen läuft. Reich ausgeschmückte Legenden erzählen vom Ursprung des Kaffees, keine davon ist jedoch durch Fakten belegt.

Kaffee gilt als das Getränk der Araber, es kann jedoch als sicher angesehen werden, dass der Ursprung der Kaffeepflanze in Äthiopien liegt – entweder im abbessinischen Hochland oder in der Provinz Kaffa – und sie erst danach in der arabischen Welt beheimatet wurde. Es ist sicher nicht von der Hand zu weisen, dass Menschen diese Früchte probiert haben, aber wie man auf die Idee gekommen ist, einen nachvollziehbaren Prozess aus Ernte bis hin zum Rösten und Mahlen zu entwickeln, liegt im Dunkeln. Angeblich soll bereits Ibn Sina Kaffee gekannt haben, aber abgesehen von seinen Ausführungen zur Heilwirkung von bunchum, das später als „Kaffeebohne“ übersetzt wurde, finden sich keinerlei Hinweise in späteren Schriften darauf.

Die äthiopische Kaffeezubereitung kann wohl als Ursprung der Art angesehen werden, die sich später etablieren sollte: Die Bohnen werden in einer Eisenpfanne geröstet, danach in einem Mörser zerstampft, mit Wasser und Zucker aufgekocht und in Schalen serviert. Es gilt als bewiesen, dass Kaffee im 15. Jahrhundert Persien und das osmanische Reich erobert hat. Laut einem arabischen Manuskript aus dem Jahr 1587, das vom Kaffeeverbrauch handelt, wurde Kaffee ab Mitte des 15. Jahrhunderts in Arabien getrunken. Ein weiterer Bericht sagt, dass ein Scheich aus Aden im Jahr 1454 im Jemen Kaffeekulturen anlegen ließ und dafür die Kaffeepflanzen aus dem abbessinischen Bergland holen lassen hat.

Die 1511 in Mekka entstandenen Kaffeehäuser wurden recht bald durch den Statthalter des ägyptischen Sultans im Rahmen von Neuerungen geschlossen, was zu heftigen Kontroversen führte. Der Sultan von Ägypten hob dieses Verbot jedoch wieder auf. In Kairo soll das Getränk erst 1532 eingeführt worden sein. 1530/1531 wurden die ersten Kaffeehäuser in Aleppo und Damaskus eröffnet. 1554 öffnete das erste Kaffeehaus in Istanbul seine Pforten. Mitte des 16. Jahrhunderts stand das Osmanische Reich auf dem Höhepunkt seiner Macht und brachte den Kaffee in alle beherrschten Gebiete. In Arabien, Ägypten, Kleinasien, Syrien und südöstlichen Europa spielte Kaffee zunehmend eine wichtige Rolle, und es wurden Kaffeehäuser eröffnet.

Ein Arzt aus Augsburg trank 1573 in Istanbul das erste Mal Kaffee und verfasste 1582 einen Bericht darüber. 1592 lernte der italienische Arzt und Botaniker Prosper Alpinus, der das Getränk auf einer Ägyptenreise kennen, und sein Werk lieferte die ersten detaillierten Beschreibungen und Zeichnungen der Kaffeepflanze. In Venedig öffnete 1645 das erste Kaffeehaus, es folgte Oxford 1650 und London 1652, mit einigem Abstand zog Frankreich nach, zuerst Marseille 1659, dann Paris 1672. 1673 hatte auch Bremen ein Kaffeehaus, und 1677 eröffnete das erste in Hamburg. Ab da begann ein reger Handel mit Kaffeebohnen in Europa. Die Araber verloren das Kaffeemonopol.

Nachdem Wien im Kampf gegen die Türken fünfhundert Säcke Kaffee erbeutet hatte, entstand 1683 das erste Wiener Kaffeehaus. Als der Kaffee in den holländischen Kolonien verbreitete, sicherte dies Holland eine Vormachtstellung im Handel. Kaffeekonsum breitete sich in immer weitere Gesellschaftskreise aus. Die erste Anpflanzung außerhalb Afrikas und Arabiens geschah durch einen 1690 durch einen Gouverneur der Niederländischen Ostindienkompanie in Ceylon und auf 1696 Java. Es handelte sich um den damals ausschließlich bekannten Coffea Arabica, der aus Arabien importiert wurde. Von hier aus gelangten Kaffeepflanzen 1710 in botanische Gärten Europas. In Amsterdam gab es den ersten in Europa gezogenen Kaffeebaum.

Im 18. Jahrhundert kam es zu einer Revolutionierung der Kaffee-Erzeugung, indem die Kolonialmächte Kaffee in alle Regionen brachten, die für dessen Anbau geeignet waren. Kaffee war auf dem Vormarsch und erreichte einen weltwirtschaftlichen Rang. 1721 gelangten die ersten Kaffeepflanzen durch die Portugiesen nach Brasilien. Ende des 18. Jahrhunderts war Kaffee die am weitesten verbreitete Kulturpflanze in den Tropen und gewann als Importware innenpolitische Bedeutung. Im Zuge der Industrialisierung wurde er ein Heißgetränk für alle Schichten. Friedrich der Große verbot 1766 die private Einfuhr von Kaffee sowie den privaten Handel. Es wurde das alleinige Recht des preußischen Staates, mit Kaffee zu handeln. 1769 kam der erste Zichorienkaffee in Braunschweig auf den Markt, der aber erst an Bedeutung gewann, als Bohnenkaffee zu teuer für die ärmere Bevölkerung wurde und zu Zeiten von staatlichen Verboten. 1781 wurde schließlich auch das Rösten des Kaffees für Privatleute in Preußen verboten. Ehemalige französische Soldaten wurden als „Kaffee-Riecher“ eingestellt und sollten durch ihren Geruchssinn illegales Rösten aufspüren. Das Kaffeemonopol Preußens wurde 1787 abgeschafft, denn der Schmuggel hatte einen zu großen Umfang angenommen und konnte nicht mehr kontrolliert werden.

1800 wurde der sogenannte Kaffeegürtel, die wesentlichen Anbaugebiete, die sich um die Erde ziehen, von den Kolonialmächten erschlossen. 1850 hatte sich Kaffee als Getränk für das Volk endgültig etabliert. Wer wohlhabend war, trank ihn als Genussmittel, bei ärmeren Menschen ersetzte er Mahlzeiten in Form von Kaffeesuppe mit Brotbrocken, denn Kaffee war nahrhaft und dämpfte Hungergefühle, wobei der Kaffee meist mit Zichorie gestreckt wurde. 1898 entdeckte man die Kaffeesorte Robusta im Kongobogen in Afrika. Es kam in diesem Jahrhundert zu einem spezialisierten Kaffeehandel, und das Transportwesen wurde durch die Erfindung der Dampfschiffahrt revolutioniert. Anfang des 20. Jahrhundert war Brasilien in den Rang des größten Kaffeeproduzenten weltweit aufgestiegen. Kaffee wurde nach Erdöl zur zweitwichtigsten Handelsware.